Kosten der Futterwerbung mit einem Doppelmessermähwerk rund doppelt so hoch wie mit dem Rotationsmähwerk

17
Feb
2022

Grünland hat einen herausragenden Wert für die biologische Vielfalt in unserer Kulturlandschaft. Durch seine unterschiedlichen Pflanzenarten und die gestaffelte Blüte der Gräser und Kräuter bieten Wiesen Lebensräume für eine Vielzahl von Tieren wie Vögel, Reptilien, Insekten und Spinnen. So zählt beispielweise langjährig extensiv genutztes Grünland, wie der Kalkmagerrasen, zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. Doch die Mahd, welche einerseits zur Erhaltung der vielfältigen Flora beiträgt, verringert andererseits die Fauna des Grünlandes erheblich. Denn bei jedem Schnitt mit einem gängigen Mähwerk wird ein Zehntel bis ein Drittel der Tierpopulation auf der gemähten Fläche getötet.


Untersuchungen zeigen jedoch, dass der Schaden an der Grünlandfauna bei der Nutzung von Balken- und Doppelmessermähwerken wesentlich geringer ist als bei der Nutzung von Rotationsmähwerken. Zudem ist bei der Nutzung eines Doppelmessermähwerkes sowohl der Verschmutzungsgrad des Futters als auch der Kraftbedarf geringer. So werden laut Hersteller nur 1,5 KW Antriebsleistung pro Meter Arbeitsbreite benötigt. Ein Rotationsmähwerk dagegen benötigt ungefähr das 5-fache an Antriebsleistung.
Während die Nutzung eines Doppelmessermähwerkes also einerseits negative Umwelteffekte mindert, berichten Praktiker:innen andererseits von steigenden Kosten für die Grundfutterwerbung bei der Nutzung eines solchen Mähwerkes.
Eine Praxisstudie der Arbeitsgruppe ‚Politik und Märkte in der Agrar- und Ernährungswirtschaft‘ der HNE Eberswalde hat gemeinsam mit Partnerbetrieben die Mehrkosten der Verwendung des Doppelmessermähwerks im Vergleich zum üblichen Mähverfahren beispielhaft erfasst. Hierzu wurden in zwei Praxisbetrieben sämtliche Kosten im Zusammenhang mit der Nutzung des Doppelmessermähwerks dokumentiert und ausgewertet.
Die Berechnungen zeigen, dass die Gesamtkosten (inklusive Arbeitserledigung) beim Doppelmessermähwerk rund doppelt so hoch waren wie bei herkömmlicher Mähtechnik. Einerseits bedingten höhere Anschaffungskosten für das Doppelmessermähwerk inklusive notwendiges Zubehör die zusätzlichen Kosten pro Hektar. Diese schlugen sowohl bei den variablen wie bei den festen Kosten zu Buche. Andererseits waren die benötigten Arbeitsstunden und damit die Arbeitserledigungskosten vergleichsweise hoch. Insbesondere das häufige Wechseln und Schleifen der Messer sind hervorzuheben. Diese Wartungsarbeiten waren deutlich umfangreicher als ursprünglich erwartet, insbesondere auf Naturschutzflächen. Denn durch die Zusammensetzung der Grünlandflora auf Naturschutzflächen werden die Messer stärker beansprucht als auf anderen Flächen.

Hinzu kommt, dass die Nutzung eines Doppelmessermähwerkes auch ein höheres Ernterisiko mit sich bringt. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Mahd für das Wechseln (und Schleifen) der Messer unterbrochen werden muss. Dies kann sich besonders bei unsicheren Wetterlagen nachteilig auf die Futterqualität auswirken.
Auch wenn diese Ergebnisse im Rahmen einer Praxisstudie gewonnenen wurden und sich nicht vorbehaltlos auf andere Betriebe übertragen lassen, zeigen sie doch deutlich, dass ein finanzieller Ausgleich für den Einsatz von nicht-rotierender Mähtechnik notwendig ist, um Landwirt:innen zur Nutzung eines Doppelmessermähwerks zu motivieren und auf diese Weise Insekten und andere Wiesentiere schützen.
Weitere Informationen unter: https://www.hnee.de/schaeferschuetzen und auf der Seite des Unterforums Landschaftspflege mit Tieren